1956 in Anlehnung an Bill Tilmans Bericht über eine Expedition zum Manda Devi als satirischer Bericht verfasst (in etwas pompösem Gipfelstürmerduktus), erfreut das Büchlein auch heute noch abenteuerlustige Bergsteiger. Es wurde ins Französische, Spanische und Dänische übersetzt und erschien 2013 auf Deutsch. Im ausgewählten Ausschnitt trifft sich die Mannschaft, die den Rum Doodle bezwingen soll, zu einer letzten Vorbesprechung. Beim Lesen kann sich leiser Zweifel an der Qualifikation der Teilnehmer regen, aber auch Bewunderung für einen derartigen Enthusiasmus.
Lesedauer knapp neuneinhalb Minuten
Der Plan
Am Vorabend unserer Abreise trafen wir uns nach drei Monaten hektischer Vorbereitungen in London, um unsere Pläne abschließend zu überprüfen. Nur Jungle, der über die Benutzung der Funkausrüstung und seine eigene Navigationsmethode hatte referieren sollen, fehlte. Er rief an, um mitzuteilen, dass er den falschen Bus genommen habe und sich seines gegenwärtigen Standorts nicht ganz sicher sei; er habe aber soeben den Polarstern gesichtet und erwarte, in Kürze zu uns zu stoßen.
Burley, wenngleich nicht in bester Form – er sagte mir, er leide unter London-Trägheit –, gab uns ein detailliertes Bild der Transportvorbereitungen. Ziel der Expedition sei es, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen. Dafür sei es erforderlich, in 39000 Fuß Höhe ein Lager mit einem Vorrat von 14 Tagen für zwei Personen zu errichten, so dass im Fall ungünstigen Wetters die Mannschaft unbesorgt eine Besserung abwarten könnte. Die Ausrüstung für dieses Lager werde von der Eisenbahnendstation Chaikhosi über eine Entfernung von 500 Meilen getragen werden müssen. Dafür seien fünf Träger nötig. Zwei Träger seien erforderlich, um das Essen für diese fünf zu tragen, und ein weiterer würde das Essen für diese zwei tragen. Sein Essen würde von einem Jungen getragen werden. Der Junge werde sein eigenes Essen tragen. Die erste Unterstützungsmannschaft sollte ihr Lager auf 38000 Fuß aufschlagen, ebenfalls mit Vorräten für 14 Tage, wofür weitere acht Träger und ein Junge gebraucht würden. Alles in allem werde der Transport der Zelte, der Ausrüstung, der Lebensmittel, der Funkgeräte, der wissenschaftlichen und fotografischen Apparate, der persönlichen Habe und so weiter 3000 Träger und 375 Jungen erfordern.
In diesem Moment klingelte das Telefon. Es war Jungle, der ausgezeichneter Stimmung zu sein schien. Er teilte mit, er habe die Gegend, in der er sich befinde, definitiv als Cockfosters identifiziert. Wir gratulierten ihm und teilten mit, dass wir ihn in Kürze erwarteten.
Burley wurde zu seiner meisterhaften Kenntnis der Einzelheiten gratuliert, wenngleich Wish die Meinung äußerte, das für die wissenschaftliche Ausrüstung bestimmte Höchstgewicht sei skandalös niedrig. Er wollte insbesondere eine mechanische Gletscherschaufel und einen drei Tonnen schweren pneumatischen Geologenhammer mitnehmen, aber keiner dieser unentbehrlichen Gegenstände sei berücksichtigt worden. Burley fertigte ihn recht knapp ab. Er verwies darauf, dass das Eisschaufeln auf dem Rum Doodle etwas ganz anderes sei als das Eisschaufeln auf dem Montblanc und dass die dünne Luft auf dem Berg die pneumatische Ausrüstung vermutlich funktionsuntauglich machen werde. Wish brach in Tränen aus und sagte, er könne genausogut gleich nach Hause gehen, da auf ihn anscheinend kein Wert gelegt werde. Constant sagte auf seine taktvolle Art, er sei gewiss, Burley habe Wishs Bedeutung für die Expedition nicht herabsetzen, sondern lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass eine wissenschaftliche Ausrüstung für eine Expedition, die nur das eine Ziel habe, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen, fehl am Platze sei. Das rief Shute auf den Plan, der erklärte, er bedaure die Unterstellung, die wissenschaftliche Ausrüstung sei reine Geldverschwendung. Eine unserer wichtigsten Arbeiten werde es sein, die Auswirkungen der dünnen Höhenluft auf dreidimensionales Farbfernsehen zu untersuchen. Prone, der an einer schweren Erkältung litt, murmelte etwas von „bichdigem bedizinischen Baderial“, was keiner so recht verstand.
Als guter Führer auf das menschliche Klima reagierend, erkannte ich eine versteckte Uneinigkeit und erinnerte alle mit ruhiger Stimme an Totters Worte: Den Montblanc kann man vielleicht mit einer zerstrittenen Mannschaft besteigen, den Rum Doodle niemals. Dieser ernüchternde Gedanke hatte die gewünschte Wirkung, wozu vielleicht beitrug, dass Burley, von London-Trägheit übermannt, eingeschlafen war. Wish, der ein Zelt mit ihm teilen sollte, war schockiert, als er bemerkte, dass Burley laut schnarchte. Er wurde jedoch durch Shute getröstet, der ihn daran erinnerte, dass aufgrund der dünnen Luft das Schnarchen in großen Höhen eine weit geringere Belästigung darstellen werde.
Als Nächstes skizzierte Wish das wissenschaftliche Programm. Neben der Untersuchung der hypographischen und topnologischen Versteinerungsprozesse in dem Gebiet hoffte er, neue Daten über die Auswirkung der biochronischen Disastrifikation der geneosphärischen Pandiculae auf den Extrakt von Whartons Warpeln zu sammeln. Außerdem hoffte er, von jeder Spezies der auf dem Berg entdeckten Lebewesen je ein Paar mit nach Hause zu bringen, um zu untersuchen, ob es möglich sei, Bergsteiger zu züchten, die ein normales Leben in großer Höhe führen könnten.
In diesem Moment rief Jungle erneut an. Er sei nicht in Cockfosters, sondern in Richmond. Er habe den Namen Cockfosters an einem Bus gelesen, aber es hatte sich herausgestellt, dass der Bus nach Cockfosters fuhr. Aus diesem Grund sei er natürlich in die falsche Richtung losgefahren, werde nun aber bald bei uns sein.
Danach beschrieb Shute die fotografische Ausrüstung, deren wichtigstes Stück die dreidimensionale kinematografische Farbkamera war. Er erhoffte sich, alle Aspekte der Expeditionsarbeit auf Film zu dokumentieren. Passende Liebes- und Unfallszenen würden von der Gesellschaft, die den Apparat zur Verfügung gestellt hatte, später ergänzt werden. Wenn dann das Originalmaterial auf ein Minimum zusammengeschnitten und noch ein patriotisches Lied eingefügt wäre, sollte der Film weltweit als ein Epos britischen Heldentums auf den Markt gebracht werden. Falls der Gipfel erreicht werde, würden dem erfolgreichen Paar – sofern die beiden jünger als sechzig und fotogen wären – Verträge für einen Kinofilm mit dem Titel „Tarzan und der abscheuliche Schneemensch“ angeboten werden.
In diesem Moment wurde ein Telegramm abgegeben. Es lautete:
BARKING CREEK GESICHTET NEUNZEHN UHR DREISSIG KURS WEST NORDWEST ERWARTET MICH IN KUERZE WETTER KALT ABER SCHOEN JUNGLE. Der Poststempel lautete Hounslow.
Burley wachte mit einem geräuschvollen Gurgeln auf und sagte, es sei völlig verkehrt, eine Bergexpedition, deren Ziel es sei, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen, mit einem Haufen wissenschaftlichen Plunders zu belasten. Er äußerte die Meinung, ein Wissenschaftler sei für eine Expedition ein noch größeres Ärgernis als seine Ausrüstung, und das sei bereits beträchtlich. Dann erzählte er uns von seinem Freund Groag, der 1923 während der Expedition zum Tum Teedle das Zelt mit einem Wissenschaftler geteilt hatte. Wie alle Wissenschaftler war auch dieser sehr zerstreut. Eines Tages hatte er Tee versehentlich mit einer Kupfervitriollösung statt mit Wasser gekocht, woraufhin er und Groag blau anliefen und farbenblind wurden, so dass sie zwei Wochen lang Blau von Weiß nicht unterscheiden konnten. Ein paar Tage später war der Wissenschaftler über den Rand eines Schneefeldes hinaus weitergegangen, weil er den blauen Himmel dahinter für eine Fortsetzung des Schnees hielt. Er wurde nur durch den aufopferungsvollen Einsatz Burleys gerettet, der das Pech hatte, mit ihm zusammen angeseilt zu sein. Burley sagte, jeder normale Mensch hätte ihn seinem Schicksal überlassen.
Wish sagte, er glaube kein Wort von der Geschichte. Er selbst habe gallonenweise Kupfervitrioltee getrunken, ohne Schaden zu nehmen. Der Bläueeffekt sei zweifellos auf die durch die dünne Höhenluft hervorgerufene Kardiosynthese im Blutkreislauf zurückzuführen. Die Behauptung, alle Wissenschaftler seien zerstreut, nahm er sehr übel.
In diesem Moment klopfte es an der Tür. Es war ein Wachtmeister vom örtlichen Polizeirevier. In Lewisham hatte ein Polizist einen verdächtigen Fremden entdeckt, der sich in der Nähe des Gaswerks herumtrieb. In seinem Besitz waren Landkarten und Navigationsinstrumente gefunden worden, und man hatte ihn infolgedessen als Spion verhaftet. Er hatte als seinen Namen Forest und als Referenz unsere Adresse angegeben. Wir gaben die erfoderlichen Versicherungen ab und baten den Wachtmeister, die Botschaft zu übermitteln, dass wir Jungle in Kürze erwarteten.
Constant erzählte uns dann von Yogistan, dem Land, das wir durchqueren mussten, um zum Berg zu gelangen. Die Eingeborenen, so Constant, seien ein robustes, unabhängiges Volk, das freundlich und von unerschütterlicher Würde und Fröhlichkeit sei. Ihre Sprache, die er eigens untersucht hatte, stelle einen Zweig der aneroid-megalithischen Sprachfamilie dar. Sie enthalte keine Verben und werde ganz aus dem Magen gesprochen.
Prone sagte, das sei Blödsinn; wenn sie ausschließlich aus dem Magen sprächen, müssten sie unter chronischer Gastritis leiden. Constant erwiderte, das sei in der Tat die Nationalkrankheit, die bei 95 Prozent der Bevölkerung hypodermisch auftrete. Wenn dies der Fall sei, so Prone, dann sei ihm unerfindlich, wie sie fröhlich bleiben könnten. Constant erwiderte, das sei auf ihre Charakterstärke zurückzuführen. Er sagte, er sei es nicht gewohnt, dass man sein Wort in Zweifel ziehe, und falls Prone bei seiner gegenwärtigen unkooperativen Haltung bleibe, so sehe er, Constant, sich gezwungen, ein Ultimatum zu stellen.
Als Nächstes sprach Prone zu uns über die Notwendigkeit, unsere Gesundheit zu erhalten, die so wichtig für unseren Erfolg war. Er beschwor uns, die von ihm festgelegten Vorsichtsmaßnahmen streng einzuhalten, und überreichte jedem von uns mehrere eng mit der Maschine beschriebene Blätter. Er sagte, wenn wir seine Ratschläge befolgten, könne er Immunität gegen jede Krankheit garantieren. Als er fertig war, brach er mit einem so heftigen Hustenanfall zusammen, dass man ihm auf den Rücken klopfen musste. Constant besorgte das Klopfen, und ich hatte den Eindruck, dass er wesentlich stärker klopfte als notwendig. Wie auch immer, Prone jedenfalls gab die Schläge zurück, und es wäre vielleicht zu einem bösen Zwischenfall gekommen, wäre Prone nicht von einem Niesanfall überwältigt worden, der es ihm unmöglich machte, sich weiter zu verteidigen.
Ich ergriff die Gelegenheit, allen für ihre Beiträge zu danken, und bemerkte, ich zweifele nicht daran, dass kleine Meinungsverschiedenheiten, die zwischen uns aufträten, für die löbliche Freimütigkeit und Offenheit zeugten, die in unseren Beziehungen herrschte. Ich sei sicher, dass wir ein leistungsfähiges und geschlossenes Team abgeben würden. Und ich erinnerte alle an Totters Worte: In einer Expedition dieser Art müssen die Wünsche des Einzelnen der gemeinsamen Sache untergeordnet werden. Constant sagte Amen, und in dieser feierlichen Stimmung weckten wir Burley und machten uns an die Vorbereitungen für die Abreise am folgenden Morgen.
Am nächsten Tag stachen wir von Tilbury aus in See. Als ich an Bord ging, wurden mir zwei Telegramme ausgehändigt.
Das eine lautete:
ALLES GUTE DENKT DARAN IHR BESTEIGT NICHT MONTBLANC TOTTER.
Das andere besagte:
IN ABERCWMSOSPANFACH GESTRANDET KOMME MIT FLUGZEUG NACH SCHICKT HUNDERT PFUND JUNGLE.
Ein zunehmendes Ärgernis ist die Doppelmoral im Umgang mit Mitarbeitenden: Yoga-Workshops über Mittag, Team Outings, Obstkörbe, Kicker und Gratisbier sind einige der beliebten Maßnahmen, die verdecken sollen, worum es geht: Die Arbeit in Agenturen ist hart, man arbeitet viele Stunden, die Leistungsbewertung ist subjektiv, die Entwicklungsmöglichkeiten sind beschränkt. Dazu sind die Gehälter ok, aber nicht erstklassig, und die Fringe Benefits sind übersichtlich.
Trotzdem gibt es kaum eine Branche, die sich so schnell verändert, die lebenslanges Lernen in den Genen mitbringt und dem einzelnen Mitarbeiter eine so große Aufgabenbreite und Selbständigkeit bietet wie die Kommunikation. Bereite dich darauf vor, dass in vier Jahren alles anders ist und du, wer weiß, vielleicht Scrum Master bist.